Hospiz und Tiere: Tiergestützte Therapie in Österreich

Nele Weber

Hospiz und Tiere: Tiergestützte Therapie in Österreich

Lesezeit 5 Minuten

Du sitzt vielleicht gerade bei einer Tasse Kaffee, vielleicht am Küchentisch in deiner Wohnung in Graz oder Salzburg, und denkst über eine schwere Zeit nach. Vielleicht geht es um einen geliebten Menschen, der bald Abschied nehmen muss. Oder es betrifft dich selbst. Diese Gedanken sind schwer, und in solchen Momenten suchen wir nach allem, was Trost spenden kann. Oft taucht dabei die Frage auf: Geht das eigentlich, ein Hospiz mit Tieren? Wie sieht das in Österreich aus und welche Möglichkeiten gibt es, wenn der eigene vierbeinige Freund wirklich Teil dieser letzten Phase sein soll?

Wenn ein Tier Trost spendet: Die Rolle von Begleittieren in der Palliativpflege

Die Verbindung zwischen Mensch und Tier ist tief. Ein Hund, der dir auf dem Teppich liegt, oder die Katze, die schnurrend auf deinem Schoß sitzt, kann oft mehr sagen als tausend Worte. Wenn das Leben endet, wird diese Nähe noch wichtiger. Man spricht hier von tiergestützter Intervention oder einfach von der Anwesenheit des eigenen Haustiers, die hilft, Angst zu lindern und das Wohlbefinden zu steigern.

In Österreich gibt es viele Einrichtungen, die das verstehen. Doch die Vorstellung von einem „Hospiz mit Tieren“ ist oft nicht so, dass du deinen Dackel einfach mit ins Zimmer nimmst. Es gibt unterschiedliche Modelle und Wege, wie Tiere in die Begleitung integriert werden können. Es ist wichtig, die Unterschiede zu kennen, damit du weißt, welche Schritte du setzen musst.

Hospiz und Tiere: Tiergestützte Therapie in ÖsterreichTiergestützte Besuche vs. permanente Unterbringung

Die meisten stationären Hospize in Österreich sind auf die Betreuung schwerstkranker Menschen spezialisiert. Die Hygiene- und Sicherheitsbestimmungen sind streng, was eine permanente Unterbringung privater Haustiere oft unmöglich macht. Stell dir vor, es gibt mehrere Patienten, einige mit Allergien oder Ängsten vor Tieren. Das ist die Realität in einem solchen Umfeld.

Hier kommen oft tiergestützte Besuchsdienste ins Spiel. Das sind geschulte Teams mit speziell ausgebildeten Tieren, oft Hunde, die regelmäßig vorbeikommen. Diese Besuche sind wertvoll, aber es ist nicht dein eigenes Tier. Eine weitere Form des Beistands ist die Unterstützung durch ehrenamtliche Sterbebegleiter.

Die Möglichkeit, dass dein eigenes Tier bei dir bleibt, ist meist eher in der mobilen Hospizbetreuung zu Hause oder in spezialisierten Langzeitpflegeeinrichtungen gegeben, die das erlauben. Wenn du planst, in einem stationären Hospiz aufgenommen zu werden, musst du diese Frage unbedingt vorab klären. Frage direkt nach den Richtlinien für Hospizgäste mit Haustieren.

Die Situation in Österreich: Wo kannst du nachfragen?

In Österreich ist die Hospizbewegung stark verankert. Es gibt das stationäre Hospiz, das mobile Team, das dich zu Hause betreut, und vielleicht auch spezialisierte Pflegeheime, die dem Hospizgedanken nahestehen. Die Regelungen sind nicht überall gleich. Ein kleines, privat geführtes Haus hat möglicherweise andere Möglichkeiten als ein großes Krankenhaus-Hospiz.

VIDEO: Tiergesttzte Therapie: Wie Hunde Hftlingen neuen Mut schenken | Frau TV | WDR

Mobile Hospizbegleitung – Der vertrauteste Ort

Viele Menschen wünschen sich, zu Hause in ihrer vertrauten Umgebung bleiben zu können. Das ist oft die beste Lösung, wenn dein Tier ein fester Bestandteil deines Lebens ist. Die mobile Hospizbetreuung kommt zu dir nach Hause, sei es in einem Einfamilienhaus in Oberösterreich oder in einer Wohnung in Wien.

Hier ist dein Tier meistens kein Problem, sondern eine Bereicherung. Die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der mobilen Dienste sind oft offen für die Anwesenheit deines Vierbeiners. Sie können dich und deine Angehörigen unterstützen, während das Tier Trost spendet. Das ist die einfachste Form des Hospiz mit eigenem Hund.

Stationäre Hospize und die Besuchspolitik

Wenn ein Aufenthalt im stationären Hospiz notwendig wird, weil die Pflege zu Hause nicht mehr leistbar ist oder Symptome intensive Behandlung erfordern, wird es komplizierter. Du musst verstehen, dass es hier oft um die Sicherheit aller geht.

Was du tun kannst:

  • Kontaktiere mehrere Einrichtungen in deiner Nähe. Frage nicht nur, ob Tiere erlaubt sind, sondern wie die Besuchszeiten für Haustiere geregelt sind.
  • Manche Hospize erlauben, dass das Tier für bestimmte Zeiten zu Besuch kommt, vielleicht sogar über Nacht, wenn es im Zimmer des Patienten bleibt und der Hund geimpft und gut sozialisiert ist.
  • Erkundige dich nach den Kriterien: Muss das Tier einen bestimmten Test bestehen? Wer übernimmt die Verantwortung, wenn das Tier in der Einrichtung etwas beschädigt oder einen Zwischenfall verursacht?

In manchen Bundesländern gibt es Pilotprojekte oder spezielle Abteilungen, die sich stärker öffnen. Es lohnt sich, bei regionalen Vereinen nachzufragen, die sich für Palliativpflege und Haustiere engagieren.

Praktische Schritte, wenn dein Tier dabei sein soll

Du triffst diese Entscheidung nicht leichtfertig. Dein Tier ist Familie. Hier sind konkrete Schritte, die du in Österreich jetzt unternehmen kannst, um die beste Lösung zu finden.

1. Die Ehrlichkeit gegenüber den Ärzten und Betreuern

Sei von Anfang an offen. Wenn du einen Termin beim Hausarzt oder Palliativmediziner hast und über eine zukünftige Versorgung sprichst, erwähne dein Tier. Erkläre, wie wichtig es für dein seelisches Wohlbefinden ist. Die Ärzte können dann besser einschätzen, welche Art von Einrichtung passt oder ob die mobile Betreuung Priorität haben sollte.

Nützliche Websites

Entdecke essenzielle Quellen, die wir zu Hospiz und Tiere: Tiergestützte Therapie in Österreich gesammelt haben.

2. Organisation für das Tier während des Abschieds

Manchmal ist es aus medizinischen Gründen oder wegen der Belastung für das Tier selbst nicht möglich, dass es die gesamte Zeit dabei ist. Du brauchst einen Plan B. Wer kümmert sich um deinen Liebling, wenn du es nicht mehr kannst oder wenn das Tier zu traurig wird? Auch für dich selbst gibt es ehrenamtliche Begleiter, die in dieser schweren Zeit zur Seite stehen.

  • Sichere Bezugsperson: Benenne eine Vertrauensperson, die das Tier sofort übernimmt, falls nötig. Das kann ein Familienmitglied oder ein enger Freund sein.
  • Dokumentation: Halte alle wichtigen Informationen für diese Person bereit: Futter, Medikamente, Tierarztkontakte. Auch wenn es wehtut, du planst für den Ernstfall.
  • Besuchsregelung klären: Falls das Tier nur zu Besuch kommen darf, vereinbare feste Zeiten mit dem Pflegepersonal. So vermeidest du unnötigen Stress für das Tier, wenn es ständig kommen und gehen muss.

3. Das Wohl des Tieres im Blick behalten

Es ist wichtig, nicht nur deine Bedürfnisse zu sehen. Ein Hospiz ist ein Ort der Ruhe und des Schmerzes. Ein älterer Hund oder eine ängstliche Katze könnte von der ständigen Anwesenheit fremder Menschen und der angespannten Atmosphäre überfordert sein. Wenn dein Tier Zeichen von Stress zeigt, muss der Besuch früher enden.

Frage dich: Ist die Umgebung für mein Tier stressfrei? Ist es gesund genug, um transportiert zu werden und sich in einer fremden Umgebung aufzuhalten? Manchmal bedeutet die größte Liebe auch, dem Tier den Abschied in der vertrauten Wohnung zu ermöglichen, auch wenn es bedeutet, dass weniger professionelle Pflege vor Ort ist.

Finanzielle und organisatorische Aspekte in Österreich

Die Kostenfrage ist in Österreich oft ein zentraler Punkt. Die Kosten für Hospizbetreuung werden je nach Bundesland und Pflegebedarf unterschiedlich geregelt. Die Anwesenheit eines privaten Tieres ändert meist nichts an den Grundkosten der Pflege, aber es können zusätzliche Anforderungen entstehen, etwa für die Reinigung der Zimmer, falls dein Tier länger bleibt.

Wenn du überlegst, die letzte Zeit zu Hause zu verbringen, um dein Tier dabeizuhaben, informiere dich beim zuständigen Fonds für Soziales oder bei deiner Krankenkasse über Unterstützungsleistungen für die häusliche Pflege mit Haustier. Manchmal können Zuschüsse für zusätzliche häusliche Pflege beantragt werden, damit du dich mehr um dein Tier kümmern kannst, während die Grundversorgung sichergestellt ist.

Denke daran, auch wenn du ein Tier im Hospiz hast, musst du weiterhin sicherstellen, dass es versorgt ist. Wer füttert, wer geht mit dem Hund raus, wenn du zu schwach bist? Diese Fragen müssen die Angehörigen oder das Hospizpersonal klären können, auch wenn es nur für kurze Zeit ist.

Häufig gestellte fragen

ist es erlaubt, den eigenen hund ins hospiz mitzunehmen

Das ist nicht überall automatisch erlaubt und hängt stark von den Hygienevorschriften und der Raumausstattung der jeweiligen Einrichtung ab. Du musst dies immer vorab mit der Leitung des Hospizes persönlich besprechen und eine schriftliche Zusage einholen.

was tun, wenn das hospiz mein tier ablehnt

Wenn das stationäre Hospiz keine Aufnahme deines Tieres erlaubt, suche aktiv nach mobilen Hospizdiensten, die zu dir nach Hause kommen. Dort ist die Wahrscheinlichkeit viel höher, dass dein Tier bleiben darf und dich weiterhin begleiten kann.

muss mein tier bestimmte impfungen haben

Ja, fast immer verlangen Einrichtungen einen Nachweis über aktuelle Impfungen und einen aktuellen Parasitenschutz, auch wenn das Tier nur zu Besuch kommt. Dies dient dem Schutz aller Patienten und Mitarbeiter, also halte den Impfpass bereit, falls du ihn vorzeigen musst.

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