Hospiz: Nachteile beim Sterben – Österreich-Sicht

Nele Weber

Hospiz: Nachteile beim Sterben – Österreich-Sicht

Lesezeit 5 Minuten

Du stehst vor einer schweren Entscheidung, oder jemand, der dir am Herzen liegt, tut das gerade. Vielleicht hast du schon viel über Hospize gehört – oft als Ort des Friedens und der guten Betreuung. Das stimmt meistens auch. Aber du denkst nach, und das ist gut und wichtig: Was sind die Nachteile, wenn man sich für den Weg ins Hospiz entscheidet? Gerade hier in Österreich, wo wir Wert auf unser Zuhause und unsere Selbstständigkeit legen, kommen da viele Fragen auf. Es ist absolut normal, dass du Bedenken hast. Lass uns ganz offen und ehrlich darüber sprechen, was die Schattenseiten sein können, damit du eine informierte Wahl triffst.

Die Angst vor dem Verlust der eigenen vier Wände

Der vielleicht größte Punkt, der viele zögern lässt, ist der Abschied vom eigenen Zuhause. Viele Österreicherinnen und Österreicher verbringen ihr ganzes Leben in ihrer Wohnung oder ihrem Haus. Dort sind die Erinnerungen, dort steht dein liebster Sessel, dort kennst du jede Ecke. Wenn du ins stationäre Hospiz ziehst, verlässt du diesen sicheren Hafen. Das ist ein massiver Einschnitt.

Viele befürchten, dass die Atmosphäre im Hospiz steril oder zu sehr nach „Klinik“ wirkt. Auch wenn moderne Hospize sich große Mühe geben, wohnheimlich zu sein, es ist eben nicht dein Zuhause. Die Bilder deiner Familie, deine Bücher, dein eigener Geruch – das muss alles erst arrangiert werden. Manchmal geht das nicht so, wie man es sich wünscht, weil der Platz begrenzt ist oder die Einrichtung des Hospizes vorgegeben ist.

Was passiert mit dem vertrauten Alltag?

Im eigenen Heim bestimmst du den Rhythmus. Du wachst auf, wann du willst, du isst, was du magst, und wann du es magst. Im Hospiz gibt es zwar flexible Strukturen, aber es gibt feste Abläufe. Das Essen kommt zu festen Zeiten, die Visite des Arztes oder der Pflegerin orientiert sich an einem Zeitplan, der für alle Bewohner passt. Das kann sich anfangs fremd und einschränkend anfühlen. Wenn du beispielsweise immer um zehn Uhr deinen Kaffee trinkst, das Hospizpersonal aber erst um halb elf Zeit für dich hat, nagt das an deinem Wohlbefinden.

Ein weiterer Punkt, den manche als Nachteil empfinden, ist die soziale Umgebung. Im Hospiz teilst du deine letzten Lebenswochen oder -monate mit Menschen, die ebenfalls sterben. Das kann einerseits Gemeinschaft stiften, andererseits kann die ständige Konfrontation mit dem Sterben anderer belastend sein. Manchmal wünscht man sich einfach die Ruhe und die gewohnte Umgebung der eigenen vier Wände, weshalb viele auch ein Hospiz in der Nähe in Betracht ziehen.

Die Herausforderung der räumlichen Nähe und Besucherregelungen

In Österreich ist die Palliativversorgung stark auf die häusliche Pflege ausgerichtet. Viele Menschen versuchen, so lange wie möglich zu Hause zu bleiben, oft mit Unterstützung von mobilen Palliativteams oder dem Roten Kreuz. Wenn die Pflege zu Hause nicht mehr leistbar ist, kommt das Hospiz ins Spiel. Doch dann stellt sich die Frage der Erreichbarkeit.

Hospiz: Nachteile beim Sterben – Österreich-SichtEntfernung zum Wohnort und Anfahrtswege

Je nachdem, wo du in Österreich wohnst – vielleicht in einer ländlichen Gegend im Waldviertel oder auf einem Berg in Tirol – ist das nächstgelegene stationäre Hospiz vielleicht nicht um die Ecke. Das ist ein echter Nachteil für deine Liebsten. Sie müssen längere Fahrten auf sich nehmen, um dich regelmäßig zu besuchen. Wenn die Familie stark auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen ist oder die Kinder nach der Schule schnell vorbeischauen müssen, wird der Besuch zur logistischen Herausforderung. Das bedeutet weniger spontane Besuche und mehr Planung.

VIDEO: Wie Sterbende im Hospiz begleitet werden

Besuchszeiten und Privatheit

Auch wenn moderne Hospize sehr offen sind, gibt es immer organisatorische Grenzen. Wenn du zum Beispiel möchtest, dass dein Enkelkind den ganzen Nachmittag mit dir spielt, oder dein Partner die Nacht durchgehend bei dir verbringen will, muss das immer mit dem Team abgesprochen werden. In deinem eigenen Schlafzimmer zu Hause hättest du diese Formalitäten nicht. Diese kleinen bürokratischen Hürden, selbst wenn sie gut gemeint sind, können sich anfühlen wie eine Einschränkung der Freiheit im Angesicht des Endes.

Finanzielle und bürokratische Aspekte in Österreich

Reden wir Tacheles: Die Kosten und die Organisation sind in Österreich oft ein Graus. Wenn du dich mit den Nachteilen eines Hospizaufenthaltes beschäftigst, spielen auch die Finanzen eine große Rolle.

Unverzichtbare Quellen

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Wer zahlt was?

Obwohl die Pflegekosten im Hospiz in Österreich oft relativ gut abgedeckt sind, entstehen immer Zusatzkosten. Du zahlst für das Zimmer, die Verpflegung und die Pflege. Aber was ist mit Dingen, die dir wichtig sind? Wenn du spezielle Pflegeprodukte brauchst, die das Hospiz nicht standardmäßig führt, oder wenn du besondere Wünsche hast, musst du diese oft selbst tragen. Hier ist die Unsicherheit groß: Verliere ich durch den Aufenthalt meine Ersparnisse schneller, als nötig?

Informiere dich genau über die Kostenübernahme durch die Krankenkasse und die Sozialhilfeträger. Oft ist der administrative Aufwand, diese Dinge zu klären, eine zusätzliche emotionale Belastung für die Angehörigen, während du dich eigentlich erholen solltest.

Die Frage der Wartezeiten

Ein oft übersehener Nachteil, der direkt mit der hohen Nachfrage zusammenhängt: Es gibt Wartelisten. Wenn du und dein Arzt entscheiden, dass ein Hospizplatz jetzt notwendig ist, weil die Symptome unkontrollierbar werden, kann es sein, dass du warten musst. Diese Wartezeit ist extrem belastend. Die Zeit, in der du Schmerzen hast oder dringend Ruhe brauchst, wird mit dem Warten auf einen Platz überbrückt, oft mit intensiver, aber nicht immer ausreichender häuslicher Betreuung.

Die emotionale Belastung durch das „Aufgeben“

Viele Menschen, besonders jene, die immer kämpferisch waren und ihr Leben lang für andere Verantwortung übernommen haben, sehen den Schritt ins Hospiz als eine Art Kapitulation. Das ist psychologisch sehr schwer zu verdauen.

Das Gefühl des „Abgebens“ der Verantwortung

Wenn du das Steuer abgibst und die Kontrolle über die Pflege an Fremde übergibst, kann das ein Gefühl der Hilflosigkeit auslösen. Du warst immer die Person, die sich um alles gekümmert hat. Jetzt liegst du im Bett und jemand anders entscheidet, wann du gedreht wirst oder wann die Medikamente gegeben werden. Dieser Kontrollverlust ist ein realer psychologischer Nachteil, mit dem du oder deine Angehörigen umgehen müssen.

Manche Angehörige fühlen sich schuldig, weil sie dich „weggegeben“ haben. Auch wenn du im Hospiz die beste Versorgung bekommst, schleichen sich diese Gedanken ein. Es ist wichtig, sich bewusst zu machen, dass das Einweisen ins Hospiz ein Akt der Selbstfürsorge ist, nicht des Aufgebens. Erfahren Sie mehr über die umfassende Hospizarbeit.

Umgang mit dem Personalwechsel

Im Gegensatz zur häuslichen Pflege, wo vielleicht eine fixe 24-Stunden-Betreuung etabliert ist, arbeitest du im Hospiz mit einem rotierenden Team. Selbst wenn alle engagiert sind, bedeutet das ständigen Wechsel an der Bettkante. Du musst dich immer wieder neu auf unterschiedliche Menschen einstellen, denen du Intimität und Verletzlichkeit zeigst. Manche Menschen brauchen dafür sehr viel Energie, die sie vielleicht am Ende ihres Lebens nicht mehr haben. Die Suche nach der vertrauten Stimme oder Hand kann anstrengend sein.

Häufig gestellte fragen

ist ein hospizplatz immer kostenlos in österreich

Nein, ein Hospizplatz ist nicht generell kostenlos. Die Grundkosten für Pflege und Unterkunft werden teilweise von der Krankenkasse übernommen, aber es fallen immer Selbstbehalte und Kosten für Unterkunft und Verpflegung an. Es hängt stark von deinem Versicherungsstatus und deinen finanziellen Verhältnissen ab, wie hoch der Eigenanteil ist.

muss ich mein haustier im hospiz zurücklassen

Das ist eine sehr gute Frage, die viele Tierbesitzer beschäftigt. In stationären Hospizen sind Haustiere oft nicht erlaubt oder nur unter strengen Auflagen. Wenn dein Tier ein wichtiger Teil deines Lebens ist, solltest du dies unbedingt vor der Aufnahme klären. Viele mobile Hospizdienste zu Hause sind hier flexibler, was ein großer Vorteil der häuslichen Palliativversorgung sein kann.

was passiert, wenn mir das hospiz doch nicht gefällt

Du bist nicht auf ewig dort. Wenn du merkst, dass der Aufenthalt im Hospiz für dich nicht passt – sei es wegen der Atmosphäre, der Entfernung zur Familie oder anderen Gründen – kannst du theoretisch jederzeit eine Verlegung veranlassen. Es ist wichtig, diese Sorge offen mit dem Betreuungsteam zu besprechen, damit gemeinsam eine bessere Lösung gefunden werden kann, sei es eine Rückkehr nach Hause oder ein Wechsel in eine andere Einrichtung.

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