Du sitzt vielleicht gerade in deiner Küche in Graz oder vielleicht in einer gemütlichen Wohnung in Linz und denkst darüber nach, wie du Menschen in einer sehr ernsten Lebensphase beistehen kannst. Die Vorstellung, ehrenamtlich im Hospiz zu arbeiten, ist oft mit großen Gefühlen verbunden: Hoffnung, vielleicht auch Angst, und ganz sicher der Wunsch, etwas Sinnvolles zu tun. In Österreich gibt es viele Möglichkeiten, diese wertvolle Arbeit zu unterstützen. Dieser Artikel soll dir ganz praktisch zeigen, was das ehrenamtliche Engagement im Hospiz bedeutet, welche Schritte nötig sind und wie du gut für dich selbst sorgen kannst.
Was bedeutet ehrenamtliche Hospizarbeit wirklich?
Wenn Menschen von einem Hospiz hören, denken sie oft sofort an das Sterben selbst. Das stimmt nur teilweise. Ein Hospiz ist in erster Linie ein Ort, der Lebensqualität schenkt, solange Leben da ist – auch wenn der Tod nahe rückt. Es geht darum, Schmerzen zu lindern, Ängste zu nehmen und einfach da zu sein. Als ehrenamtlicher Mitarbeiter bist du nicht die medizinische Fachkraft. Du bist der Mensch, der Zeit schenkt.
Viele Menschen in Österreich suchen genau diese menschliche Nähe. Vielleicht ist die Familie gerade überfordert, oder die pflegenden Angehörigen brauchen eine kurze Atempause. Genau hier setzt das ehrenamtliche Hospizangebot an. Du bringst Normalität in einen oft von Krankheit dominierten Alltag.
Die Rolle des ehrenamtlichen Mitarbeiters
Deine Aufgaben sind vielfältig und werden immer individuell mit dir abgesprochen. Du wirst nie allein gelassen. Die Kernaufgabe ist oft das „Dasein“ – die Begleitung. Das heißt:
- Gespräche führen oder einfach nur schweigen, wenn das Richtige ist.
- Vorlesen oder Musik hören.
- Manchmal auch praktische Dinge übernehmen, wie zum Beispiel mit dem Hund des Gastes spazieren gehen.
- Den Angehörigen zuhören, wenn sie erzählen, wie es ihnen geht.
Es geht darum, dem Gast ein Gefühl von Sicherheit und Würde zu geben. Du bist ein Stück Normalität, wenn das Leben gerade sehr aus den Fugen gerät.
Wie starte ich mit dem ehrenamtlichen Hospizdienst in Österreich?
Der Weg zum ehrenamtlichen Mitarbeiter im Hospiz ist klar strukturiert, aber er nimmt sich Zeit. Man lässt dich nicht einfach ins kalte Wasser springen. Die Ausbildung ist der wichtigste Schritt, um dich gut vorzubereiten. Du musst wissen, was du leisten kannst und wo deine Grenzen liegen.
VIDEO: Sterbende begleiten: Eva arbeitet ehrenamtlich im Hospizdienst
Die Ausbildung: Mehr als nur Theorie
In Österreich bieten die großen Hospizvereine und Organisationen (oft regional verankert, zum Beispiel in Salzburg oder Tirol) umfassende Vorbereitungskurse an. Diese Kurse sind kostenlos oder kostengünstig und verpflichtend. Sie dauern oft über mehrere Wochen oder Monate, damit du das Gelernte sacken lassen kannst. Du lernst dort viel über:
- Grundlagen der Sterbebegleitung und Trauerarbeit.
- Umgang mit Schmerz und Kommunikation in Krisensituationen.
- Die Bedeutung von Selbstfürsorge für dich selbst.
Sei dir bewusst: Diese Schulung ist intensiv. Sie fordert dich emotional heraus, bereitet dich aber optimal vor, um Menschen im Hospizalltag begleiten zu können. Frage bei deinem lokalen Verein gezielt nach den nächsten Terminen für solche Einführungsseminare.
Wichtige Links
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Der erste Kontakt: Die Schnupperphase
Nach der Schulung folgt meist eine Phase der Hospitation oder des Kennenlernens. Du begleitest erfahrene Ehrenamtliche zu Einsätzen, bevor du selbstständig tätig wirst. Das ist wichtig, denn jeder Mensch und jede Situation ist anders. Vielleicht begleitest du jemanden zu Hause in Wien, vielleicht in einem Pflegeheim in Vorarlberg – die Umgebung variiert, aber die menschliche Aufgabe bleibt dieselbe.
Umgang mit eigenen Gefühlen und Grenzen setzen
Das ist vielleicht der wichtigste Punkt für dich, wenn du überlegst, dich zu engagieren: Wie gehe ich damit um, wenn es mich persönlich zu sehr belastet? Viele haben Angst, selbst nicht stark genug zu sein oder mit dem eigenen Schmerz des Abschieds nicht fertigzuwerden. Diese Sorge ist gesund und wichtig.
Die Bedeutung der Supervision
In der österreichischen Hospizarbeit spielt die Nachsorge und Begleitung der Ehrenamtlichen eine zentrale Rolle. Du bist nicht alleine verantwortlich. Regelmäßige Gespräche mit geschulten Fachleuten nennt man Supervision. Das ist dein geschützter Raum. Hier kannst du alles aussprechen, was dich beschäftigt hat – ohne Urteil, ohne Erwartung.
Wenn du merkst, dass dich ein bestimmter Fall oder eine Situation nicht loslässt, sprich es an. Gute Organisationen achten darauf, dass ehrenamtliche Hospizhelfer diese Unterstützung regelmäßig in Anspruch nehmen. Das ist keine Schwäche, sondern professionelle Fürsorge für dich selbst.
Wann ist eine Pause nötig?
Du musst lernen, „Nein“ zu sagen, auch wenn du helfen möchtest. Wenn du merkst, dass du selbst gerade durch eine schwere private Phase gehst – vielleicht Trauerarbeit nach einem eigenen Verlust oder Stress im Beruf –, dann ist es besser, eine Pause einzulegen. Niemand kann bedingungslos geben, wenn der eigene Tank leer ist. Das Prinzip der Begleitung im Hospiz basiert auf Präsenz, und Präsenz braucht Energie.
Wo kann ich ehrenamtlich im Hospizdienst tätig werden?
Hospizdienste gibt es nicht nur in spezialisierten stationären Einrichtungen. Gerade in Österreich, wo viele Menschen gerne so lange wie möglich zu Hause bleiben möchten, spielt die ambulante Begleitung eine riesige Rolle. Du kannst also auch ganz in deiner Nähe aktiv werden.
Die verschiedenen Einsatzorte
Überlege dir, welcher Ort am besten zu deinem Alltag passt. Die Optionen sind breit gefächert:
- Ambulanter Hospizdienst: Du besuchst Menschen zu Hause in ihrem vertrauten Umfeld, oft in ländlichen Gebieten oder kleineren Städten. Hier ist Flexibilität im Zeitplan wichtig.
- Stationäres Hospiz: Hier arbeitest du in einer festen Einrichtung. Die Besuchszeiten sind oft geregelter, und du hast direkten Kontakt zum Team aus Fachpersonal.
- Betreuung von Angehörigen: Manchmal besteht die Möglichkeit, gezielt die pflegenden Partner oder Kinder zu stundenweisen Entlastungen zu begleiten, damit die Hauptbetreuungsperson eine Auszeit bekommt.
- Büro oder Verwaltung: Auch Organisationstalent ist gefragt. Nicht jeder kann direkt begleiten, aber administrative Unterstützung hält den ganzen Verein am Laufen.
Informiere dich bei den regionalen Hilfsangeboten deines Bundeslandes. Suche nach „Hospizverein [dein Bundesland] ehrenamt“ und du findest schnell die Ansprechpartner vor Ort.
Rechtliche und organisatorische Rahmenbedingungen in Österreich
Du fragst dich vielleicht, wie das Ganze formal abläuft. Wie bin ich abgesichert, wenn ich helfe?
Versicherung und Aufwandsentschädigung
Die gute Nachricht: Die Trägervereine sind in der Regel sehr gut organisiert und du bist abgesichert. Im Rahmen deiner Tätigkeit sind Ehrenamtliche meist über den Verein unfall- und haftpflichtversichert. Das ist wichtig, wenn du zum Beispiel bei einem Spaziergang im Park hilfst.
Meistens gibt es für Fahrtkosten oder eventuelle Auslagen eine geringe Aufwandsentschädigung. Das ist aber kein Lohn. Es ist eine Anerkennung deiner investierten Zeit und deines Einsatzes. Du engagierst dich aus persönlicher Überzeugung, nicht aus finanziellen Gründen.
Datenschutz und Schweigepflicht
Im Hospizbereich arbeitest du mit sehr intimen Informationen. Der Umgang damit ist streng geregelt. Du wirst intensiv über die Notwendigkeit der Vertraulichkeit aufgeklärt. Die Dinge, die du hörst oder siehst, bleiben bei dir und im Betreuungsteam. Diese Verschwiegenheit ist eine Grundvoraussetzung für das Vertrauen, das dir die Menschen entgegenbringen.
Warum es sich lohnt, ehrenamtlich Hospizarbeit zu leisten
Es mag paradox klingen, aber die Begleitung am Ende des Lebens gibt oft unglaublich viel zurück. Wenn du Menschen begleitest, die ihren Frieden finden, schenkst du ihnen Momente der Menschlichkeit. Das erdet dich und relativiert viele kleine Alltagsprobleme.
Viele Ehrenamtliche berichten, dass sie durch diese Tätigkeit ein tieferes Verständnis für das Leben entwickeln. Man lernt, die kleinen, wertvollen Augenblicke im Hier und Jetzt viel bewusster wahrzunehmen. Das ist eine persönliche Bereicherung, die du in keinem normalen Beruf findest.
häufig gestellte fragen
wie viel zeit muss ich für die ehrenamtliche hospitarbeit einplanen?
Das ist sehr flexibel. Die meisten Organisationen bitten darum, sich für mindestens ein bis zwei Stunden pro Woche fest zu binden, um Kontinuität für den Gast zu gewährleisten. Wichtiger als die genaue Stundenzahl ist die Verlässlichkeit deiner Zusagen. Besprich deine Möglichkeiten offen mit der Einsatzleitung.
darf ich schwerkranke menschen alleine betreuen?
Anfangs definitiv nicht. Die ersten Begleitungen finden immer im Tandem mit einem erfahrenen Kollegen statt. Erst wenn du und das Team sicher sind, dass du die Situation einschätzen kannst, übernimmst du eigenständig kleinere Begleitungen. Die Sicherheit des Gastes und deine Sicherheit stehen immer an erster Stelle.
was ist der unterschied zwischen palliativpflege und hospizarbeit?
Palliativpflege kümmert sich um die medizinische und pflegerische Linderung von Leiden, also um Symptome wie Schmerz oder Atemnot. Die Hospizarbeit konzentriert sich auf die psychosoziale und spirituelle Begleitung und die Lebensqualität. Ehrenamtliche arbeiten unterstützend zur medizinischen und pflegerischen Versorgung.











