Du sitzt vielleicht gerade in deinem Wohnzimmer in Vorarlberg, in der Steiermark oder in Wien, nippst an deinem Kaffee und denkst nach. Du hast diesen Gedanken schon länger im Kopf: Die Idee, sich ehrenamtlich in einem Kinderhospiz zu engagieren. Vielleicht hast du in der Tageszeitung davon gelesen, oder es hat dich persönlich berührt. Die Vorstellung ist wunderschön, aber auch beängstigend, oder? Was bedeutet es wirklich, wenn du dich als ehrenamtliche Kraft für schwerstkranke Kinder und deren Familien einsetzt? Genau darum geht es jetzt. Wir schauen uns Schritt für Schritt an, was dieses Ehrenamt in Österreich wirklich bedeutet, welche Aufgaben warten und wie du mit deinen eigenen Gefühlen umgehst.
Was bedeutet kinderhospiz ehrenamt in der praxis?
Wenn Menschen an ein Kinderhospiz denken, sehen sie oft nur das Ende. Aber ein Kinderhospiz, oft auch als Palliative Care für Kinder bezeichnet, ist viel mehr. Es ist ein Ort, der Lebensqualität in den Vordergrund stellt. Hier geht es darum, Schmerzen zu lindern, Freude zu schenken und den Familien in einer extrem schweren Zeit Halt zu geben. Dein ehrenamtliches Engagement füllt diese Lücken, die für das professionelle Personal oft zeitlich nicht möglich sind.
Nicht nur pflegerisch: Die vielfältigen aufgaben
Viele zögern, weil sie denken, sie müssten medizinische Kenntnisse haben. Das stimmt nicht. Im Gegenteil: Ehrenamtliche bringen eine menschliche Nähe, die unersetzlich ist. Die Aufgaben sind oft sehr lebensnah und benötigen vor allem Zeit und Empathie. In Österreich gibt es verschiedene Modelle, aber die Kernarbeit dreht sich meist um die Unterstützung der Kinder und Geschwisterkinder.
Was du konkret tun kannst, hängt stark von der Einrichtung ab, aber hier sind typische Bereiche für dein Engagement:
- Begleitung der Kinder: Vorlesen, Musik hören, Spiele spielen, einfach nur still dasein.
- Unterstützung der Geschwister: Oft fühlen sich gesunde Geschwisterkinder vernachlässigt. Hier kannst du als neutrale Bezugsperson Zeit schenken.
- Entlastung der Eltern: Manchmal brauchen die Eltern einfach eine Stunde, um in Ruhe einkaufen zu gehen oder einen Kaffee zu trinken, während du bei ihrem Kind bist.
- Leichte organisatorische Hilfen: Kleine Besorgungen rund um das Haus, Gartenarbeit oder Hilfe bei Festen.
Denke daran: Du ersetzt keine Fachkraft. Deine Rolle ist die des menschlichen Begleiters. Das ist eine sehr wertvolle Arbeit, besonders wenn du in einer Region wie Tirol wohnst und die familiären Strukturen wichtig sind.
Deine eigenen grenzen und gefühle im blick behalten
Das ist vielleicht der wichtigste Punkt. Sich ehrenamtlich im Kinderhospiz zu engagieren, fordert emotional viel. Es ist unvermeidlich, dass du mit Trauer, Schmerz und dem Tod konfrontiert wirst. Das ist hart, und es ist absolut in Ordnung, wenn dich das beschäftigt.
Zweifel sind ein zeichen von verantwortung
Wenn du jetzt denkst: „Habe ich die nötige emotionale Stärke dafür?“, dann sei dir gewiss: Diese Zweifel sind normal. Sie zeigen, dass du die Verantwortung ernst nimmst. Gute Kinderhospize in Österreich wissen das und sind darauf vorbereitet. Sie bieten dir daher nicht nur eine Einführung, sondern auch regelmäßige Begleitung.
Die sogenannte Supervision ist hier dein wichtigster Anker. Das ist ein Gesprächsrahmen mit Fachleuten, wo du offen über deine Erlebnisse sprechen kannst, ohne dass es bewertet wird. Das hilft dir, das Erlebte zu verarbeiten und nicht alles mit nach Hause zu nehmen. Sieh es als festen Bestandteil deiner ehrenamtlichen Tätigkeit, nicht als Zeichen von Schwäche.
VIDEO: Ehrenamt im Kinderhospiz – Ich bin ein HHanseStrolch
Wie finde ich den richtigen weg für mich?
Bevor du dich festlegst, musst du herausfinden, welche Art der Begleitung zu deinem Leben passt. In Ballungszentren wie Linz oder Salzburg gibt es oft größere Einrichtungen, die viele Einsatzmöglichkeiten bieten. In ländlicheren Gebieten können es mobile Dienste sein, die dich eher zu den Familien nach Hause bringen.
Hier sind Schritte, die du jetzt unternehmen kannst:
- Informationsveranstaltungen besuchen: Fast jede große Organisation bietet Tage der offenen Tür oder Infoabende an. Nutze diese, um Atmosphäre zu schnuppern.
- Kontakt mit Koordinator:innen aufnehmen: Sprich direkt mit der Person, die das Ehrenamt koordiniert. Stelle alle deine „dummen“ Fragen.
- Probegespräche führen: Viele Orte bieten ein oder zwei unverbindliche Treffen an, bevor du dich verpflichtest.
Denke bei der Wahl auch an deinen Alltag in Österreich. Wenn du Vollzeit in einer Firma in Innsbruck arbeitest, ist vielleicht eine wöchentliche Begleitung am Samstag besser als ein täglicher Besuch unter der Woche.
Organisation und voraussetzungen in österreich
Ein ehrenamtliches Engagement im Kinderhospiz ist kein spontaner Entschluss, der morgen umgesetzt wird. Es gibt einen klaren Ablauf, der sicherstellt, dass sowohl du als auch die Familien gut aufgehoben sind. Die Strukturen sind in Österreich meist sehr gut organisiert.
Weitere Lektüre
Vertiefe dich weiter in Ehrenamt Kinderhospiz: Helfen in Österreich mit einer Reihe sorgfältig ausgewählter Links.
- Ehrenamtliche Mitarbeit | Kinderhospiz Netz
- Ehrenamt in Österreich und Europa – Dachverband HOSPIZ Österreich
Die einarbeitungsphase: mehr als nur ein kurs
Niemand wird einfach ins kalte Wasser geworfen. Die Einarbeitung ist oft sehr intensiv und dauert mehrere Wochen oder Monate. Diese Phase ist entscheidend, um dich auf die besondere Atmosphäre vorzubereiten.
In der Schulung lernst du oft Folgendes:
- Grundlagen der Palliativbegleitung: Was bedeutet Symptomkontrolle aus Laiensicht?
- Kommunikation: Wie spreche ich mit Eltern, wenn es um den Tod geht?
- Rechtliches Grundwissen: Was muss ich über Datenschutz und Verschwiegenheit wissen? (Ein absolutes Muss im Umgang mit sensiblen Familiendaten.)
Diese Schulungen sind essenziell. Sie geben dir Sicherheit, was du tun darfst und was nicht. Sie helfen dir auch, professionelle Distanz zu wahren, ohne kalt zu wirken.
Zeitlicher rahmen und verpflichtungen
Die Frage nach dem „Wie viel?“ kommt immer wieder auf. Die Erwartungen sind unterschiedlich. Manche Organisationen bitten um eine feste Stunde pro Woche, andere um einen Vormittag im Monat. Wichtig ist die Verlässlichkeit. Wenn du sagst, du kommst am Mittwochnachmittag, dann ist das für die Familie ein fester Punkt in ihrer oft chaotischen Zeit.
Sei ehrlich zu dir selbst, wie viel Zeit du realistisch entbehren kannst, ohne dass dein eigenes soziales Netz darunter leidet. Ein Ausbrennen des Ehrenamtlichen nützt niemandem etwas. Lieber weniger engagieren und dafür beständig dabei bleiben, als zu viel versprechen und dann überfordert sein. Das gilt besonders, wenn du vielleicht noch eigene Kinder oder pflegebedürftige Angehörige hast.
Die dankbarkeit, die bleibt
Wenn du nach einem Einsatz nach Hause fährst, wirst du oft nachdenklich sein. Es wird Tage geben, die dich an deine Grenzen bringen. Aber es wird auch Tage geben, an denen dir ein kleines Lächeln eines Kindes oder ein dankbarer Blick der Mutter alles bedeutet.
Dieses Ehrenamt lehrt dich etwas über das Leben, das du nirgends sonst lernen kannst. Es relativiert den Alltag. Die kleinen Sorgen um den nächsten Urlaub oder den neuen Fernseher treten in den Hintergrund. Du lernst, den Moment wirklich zu schätzen. Viele Ehrenamtliche berichten, dass sie durch diese Arbeit eine tiefere Wertschätzung für ihre eigene Gesundheit und ihre Liebsten entwickelt haben.
Es ist eine Bereicherung, die weit über das hinausgeht, was du an Zeit investierst. Es erfordert Mut, ja. Aber dieser Mut wird dir mit einer tiefen menschlichen Erfahrung zurückgegeben, die im österreichischen Alltag oft fehlt.
Häufig gestellte fragen
kann ich auch mitbringen, was ich kann?
Ja, oft ist das sogar erwünscht. Wenn du gut malen kannst, biete an, mit den Kindern zu malen. Wenn du Musiker bist, bring dein Instrument mit. Jede Fähigkeit, die Freude bringt, ist wertvoll und wird im Rahmen der Möglichkeiten eingesetzt.
muss ich damit rechnen, dass ich das kind verliere?
In der Kinderhospizarbeit ist der Tod ein Teil des Prozesses, da die Kinder lebensverkürzende Erkrankungen haben. Die Einrichtungen bereiten dich gut darauf vor. Es ist wichtig, dass du Abschied nehmen darfst und dafür Unterstützung erhältst, um diesen Schmerz zu verarbeiten.
bekomme ich als ehrenamtlicher etwas ersetzt?
Für dein ehrenamtliches Engagement selbst erhältst du in der Regel keine Bezahlung. Allerdings übernehmen die Organisationen meist die Kosten für deine Anfahrt, die benötigten Schulungen und die Supervision. Das ist wichtig für deine finanzielle Planung, besonders wenn du weite Wege fahren musst.











