Du sitzt vielleicht gerade in deinem Lieblingssessel in der Wohnung in Linz oder Graz und denkst darüber nach, wie es weitergehen soll. Vielleicht hat sich die Situation in deinem derzeitigen Pflegeheim geändert, oder die Betreuung dort reicht nicht mehr aus, um die Lebensqualität zu sichern, die du dir wünschst. Der Gedanke „Vom Pflegeheim ins Hospiz“ klingt groß und vielleicht ein bisschen einschüchternd. Es ist ein Schritt, der viel Veränderung bedeutet. Ich möchte dir heute ganz in Ruhe erklären, was dieser Übergang konkret für dich in Österreich bedeutet. Es geht darum, die beste Lösung für die verbleibende Zeit zu finden – eine Lösung, die dir Würde und Geborgenheit schenkt.
Wann wird der Wechsel vom Pflegeheim zum Hospiz sinnvoll?
Ein Pflegeheim, auch Seniorenheim oder betreutes Wohnen genannt, bietet primär Pflege und Unterstützung im Alltag. Die medizinische Versorgung ist da, aber der Fokus liegt auf der langfristigen Begleitung bei chronischen Erkrankungen oder Pflegebedürftigkeit. Ein Hospiz hingegen hat einen ganz anderen Auftrag. Es ist ein Ort für Menschen, deren Lebenszeit begrenzt ist und die jetzt vor allem eines brauchen: Schmerztherapie, seelische Begleitung und die bestmögliche Linderung von Symptomen. Es geht nicht mehr darum, Jahre zu gewinnen, sondern die verbleibende Zeit so gut und friedlich wie möglich zu gestalten.
Diese Entscheidung ist selten leichtfertig getroffen. Oft bemerken die Betroffenen selbst oder die Angehörigen, dass sich die Bedürfnisse grundlegend verschieben. Die Krankheit schreitet voran, und die Palliativversorgung wird wichtiger als die allgemeine Langzeitpflege. Vielleicht merkst du, dass im Pflegeheim die Intensität der Pflege, die du jetzt benötigst – etwa spezialisierte Schmerztherapie –, nicht mehr im nötigen Umfang gewährleistet werden kann.
Erste Anzeichen für den Bedarf einer Hospizeinrichtung
Es gibt einige klare Signale, die zeigen können, dass es Zeit für diesen Gedankenaustausch ist. Vielleicht kämpfst du im Heim immer wieder mit schlecht eingestellten Schmerzen. Oder du fühlst dich emotional nicht mehr aufgehoben, weil das Personal zwar pflegt, aber die spirituelle oder existenzielle Begleitung fehlt, die in einem spezialisierten Hospiz angeboten wird.
Typische Anzeichen können sein:
- Zunehmende, schwer kontrollierbare Symptome wie Schmerzen, Atemnot oder Übelkeit.
- Der Wunsch, die letzten Wochen oder Monate in einer ruhigeren, fokussierten Atmosphäre zu verbringen.
- Das Gefühl, im aktuellen Umfeld keine ausreichende spirituelle oder psychologische Sterbebegleitung zu erhalten.
In Österreich gibt es verschiedene Formen, vom mobilen Hospizdienst, der dich zu Hause oder im Heim begleitet, bis hin zur stationären Hospizeinrichtung.
Wie läuft die Organisation des Wechsels in Österreich ab?
Die Umstellung vom Pflegeheim in eine stationäre Hospizeinrichtung ist ein Prozess, der gut geplant sein muss. Es ist wichtig zu wissen, dass du oder deine Vertrauensperson diesen Weg nicht alleine gehen musst. Die Sozialdienste und Ärzte sind deine wichtigsten Partner.
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Schritt 1: Das offene Gespräch suchen
Der erste und wichtigste Schritt ist das ehrliche Gespräch. Sprich mit der Heimleitung oder der zuständigen diplomierten Pflegefachkraft in deinem aktuellen Pflegeheim. Schildere deine Sorgen und Wünsche. In Österreich ist es üblich, dass Pflegeeinrichtungen hier sehr unterstützend wirken, da sie selbst oft eng mit Palliativdiensten zusammenarbeiten.
Wenn du Unterstützung brauchst, ziehe deine Vertrauensperson hinzu. Das kann dein Sohn, deine Tochter oder eine Bevollmächtigte sein. Wichtig ist, dass du klar kommunizierst: Du möchtest dich auf die letzte Lebensphase vorbereiten und brauchst dafür eine spezialisierte Umgebung.
Schritt 2: Die medizinische Abklärung und Zuweisung
Ein Hospizplatz wird nicht einfach so vergeben. Es braucht eine medizinische Indikation, die bestätigt, dass eine palliative Betreuung im Vordergrund stehen soll. Hier kommt dein behandelnder Arzt ins Spiel – oft ist das der Hausarzt, der dich schon lange kennt, oder der Arzt des Pflegeheims.
Dieser Arzt stellt eine Empfehlung aus oder initiiert eine Kontaktaufnahme mit dem regionalen Palliativnetzwerk. In Österreich sind die Netzwerke zur spezialisierten ambulanten Palliativversorgung (SAPV) oft die erste Anlaufstelle, um die Notwendigkeit eines stationären Hospizplatzes zu prüfen. Sie prüfen, ob alle Kriterien für eine Aufnahme in einer Hospizeinrichtung erfüllt sind.
Schritt 3: Die Suche nach einem freien Platz und die Kostenfrage
Das ist oft der schwierigste Teil: die Verfügbarkeit. Gerade in Ballungszentren wie Wien oder Salzburg kann es Wartezeiten geben. Während du auf einen Platz wartest, geht die palliative Versorgung im Pflegeheim weiter. Bleibe hier in engem Austausch mit dem Heimpersonal.
Wie sieht es mit den Kosten aus, wenn du vom Pflegeheim ins Hospiz wechselst? Die Finanzierung ist in Österreich meist ähnlich geregelt. Die Kosten für Unterkunft und Verpflegung sind in beiden Einrichtungen selbst zu tragen oder werden durch die Pflegegeldstufe mitfinanziert. Die reinen Pflegeleistungen und die ärztliche Betreuung werden von den Krankenkassen übernommen, wenn die medizinischen Voraussetzungen erfüllt sind. Wenn du bereits Pflegegeld beziehst, bleibt das in der Regel bestehen, aber die Art der erbrachten Leistung ändert sich.
Es ist ratsam, bei der Krankenkasse nachzufragen, ob es spezifische Zuzahlungen gibt, die sich durch den Wechsel in eine Hospizeinrichtung ändern. Das ist ein bürokratischer Weg, aber er muss gegangen werden, um finanzielle Sicherheit zu haben.
Informationen zum Verhältnis Hospiz und Pflegeheim finden Sie in einem anderen Beitrag.
Was unterscheidet die Atmosphäre im Hospiz vom Pflegeheim?
Der größte Unterschied liegt in der Philosophie. Im Pflegeheim geht es um das Leben mit Einschränkungen. Im Hospiz geht es um das Leben bis zum Schluss, um Lebensqualität in dieser letzten Phase.
Nützliche Websites
Wir haben einige Top-Quellen über Vom Pflegeheim ins Hospiz: Übergang und Unterstützung für dich zusammengestellt.
Fokus auf Symptomkontrolle
In einem Hospiz ist das Personal hochspezialisiert auf Palliativmedizin. Das heißt: Wenn du Schmerzen hast, wird intensiv daran gearbeitet, diese Schmerzen optimal einzustellen – oft mit Medikamenten, die im normalen Pflegeheim aus vorsorglichen Gründen nicht so hoch dosiert werden dürfen. Das Ziel ist dein Komfort. Wenn du nachts nicht schlafen kannst, weil du schlecht Luft bekommst, gibt es sofortige, intensive Hilfe durch Ärzte, die schnell erreichbar sind. Das ist ein großer Unterschied zu manchen Pflegeheimen, wo die Dienstwege länger sind. Welche Vor- und Nachteile ein Hospiz generell bietet, erfährst du im Beitrag zu den Hospiz Vor- und Nachteilen.
Die Umgebung und die Zeit
Hospize sind oft kleiner und darauf ausgelegt, eine wohnliche, fast private Atmosphäre zu schaffen. Es gibt meist nur wenige Betten. Du erlebst hier eine andere Form von Zeit. Die Besuchszeiten sind flexibel – deine Familie kann kommen, wann sie möchte, und auch über Nacht bleiben, wenn das für dich wichtig ist. Das ist ein wichtiger Aspekt für viele, die den Abschied in Ruhe gestalten möchten.
Im Pflegeheim ist der Ablauf oft strukturierter, weil viele Menschen mit unterschiedlichen Langzeitbedürfnissen versorgt werden müssen. Im Hospiz ist die gesamte Struktur darauf ausgerichtet, deine persönlichen Wünsche im Hier und Jetzt zu erfüllen, solange es medizinisch vertretbar ist. Möchtest du jeden Tag Speckjause essen, obwohl du Diabetes hast? Im Hospiz wird oft zugunsten des Wohlbefindens entschieden, solange es nicht unnötige Qualen verursacht.
Die Rolle der ehrenamtlichen Hospizbegleiter
Ein Schatz, den viele Hospize in Österreich bieten, sind die ehrenamtlichen Hospizbegleiter. Diese Menschen sind speziell geschult. Sie kommen nicht, um zu pflegen oder medizinisch zu behandeln. Sie kommen, um einfach da zu sein. Sie hören zu, lesen vor, halten die Hand oder gehen mit dir eine kleine Runde im Garten. Diese menschliche, nicht-professionelle Zuwendung kann unglaublich viel Trost spenden, wenn das eigene Netzwerk erschöpft ist oder gerade nicht da sein kann.
Was, wenn der Wechsel nicht sofort möglich ist?
Manchmal ist die Lage im Pflegeheim so festgefahren, oder es gibt keine sofort verfügbaren stationären Hospizplätze. Das ist frustrierend, aber es gibt Lösungen, um die Situation zu verbessern, während du wartest. Hier geht es um die Aktivierung der mobilen Palliativdienste.
Du kannst in Österreich auch mobile Palliativdienste anfordern, die zu deinem aktuellen Pflegeheim kommen. Diese Spezialisten unterstützen das dortige Pflegepersonal und deinen Hausarzt dabei, deine Symptome besser zu managen. Sie bringen ihr Fachwissen direkt in die Einrichtung, in der du gerade bist. Das kann die Lebensqualität enorm steigern und oft eine Überbrückung sein, bis ein stationärer Platz frei wird.
Sprich direkt mit der Heimleitung und frage nach: „Wer ist der Kontaktpartner für Palliativkonsultationen in unserem Bezirk?“ Viele gute Pflegeheime haben diese Kontakte parat und kümmern sich um die Koordination. Es ist wichtig, dass du aktiv nach diesen externen Unterstützungsmöglichkeiten fragst, um deine Situation zu optimieren.
Denke daran: Egal, ob du im Pflegeheim bleibst und spezialisierte Hilfe dazuholst oder den Wechsel in eine Hospizeinrichtung schaffst – der Fokus liegt immer auf deiner bestmöglichen Begleitung in dieser Lebensphase. Es ist dein Recht, diese Unterstützung zu bekommen.
häufig gestellte fragen
bekomme ich im hospiz weniger pflege?
Nein, die Pflege ist dort intensiver und spezialisierter, aber anders ausgerichtet. Es geht primär um Palliativversorgung, also Schmerzlinderung und Symptomkontrolle, nicht um die Pflege bei chronischer Pflegebedürftigkeit im Allgemeinen. Das Personal ist speziell für das Sterben geschult.
muss ich mein pflegegeld neu beantragen?
Nein, dein Anspruch auf Pflegegeld bleibt grundsätzlich bestehen, da es eine Einstufung für deinen Grad der Pflegebedürftigkeit ist. Die Krankenkasse übernimmt die Kosten der ärztlichen und pflegerischen Behandlung im Hospiz direkt. Du musst nur prüfen, welche Kosten für Unterkunft und Verpflegung anfallen.
darf meine familie jederzeit zu mir kommen?
Ja, in Hospizeinrichtungen in Österreich sind die Besuchszeiten sehr flexibel gestaltet. Die Philosophie ist, dass die wichtigsten Menschen jederzeit willkommen sind, um Abschied zu nehmen oder einfach nur Zeit zu verbringen. Das Personal unterstützt dabei, Übernachtungen im Zimmer zu ermöglichen.











