Du denkst darüber nach, dich ehrenamtlich in einem Kinderhospiz in Österreich zu engagieren? Das ist ein großer Schritt, und es ist ganz normal, wenn dir jetzt viele Fragen durch den Kopf gehen. Vielleicht spürst du diesen tiefen Wunsch, etwas Sinnvolles zu tun, aber gleichzeitig nagt die Unsicherheit: Bin ich dafür stark genug? Was genau mache ich da überhaupt? Wir nehmen uns jetzt einen Moment Zeit. Stell dir vor, wir sitzen bei einem Melange in Ruhe zusammen, und ich erkläre dir ganz offen, was die ehrenamtliche Mitarbeit in diesem besonderen Umfeld wirklich bedeutet und wie du den Weg dorthin findest.
Was bedeutet Kinderhospizarbeit in Österreich eigentlich?
Bevor wir über dein Engagement sprechen, schauen wir uns an, was ein Kinderhospiz ist. Es ist wichtig, dieses Bild von einem Ort der Trauer abzulegen. Natürlich geht es um Kinder und Jugendliche, die lebensverkürzend oder lebensbegrenzend erkrankt sind. Aber ein Kinderhospiz ist vor allem ein Ort der Lebensqualität, der Geborgenheit und der Freude, so lange es geht. Es geht darum, dem Kind und seiner Familie eine Auszeit vom oft harten Klinikalltag zu schenken. Manchmal ist es ein Tag, manchmal eine Woche. Hier zählen die Momente.
Die ehrenamtliche Mitarbeit bei diesen Organisationen ist unersetzlich. Pflegekräfte und Ärzte leisten Großartiges, aber sie haben feste Aufgaben. Du als Ehrenamtliche oder Ehrenamtlicher bringst etwas ganz anderes mit: Zeit und Präsenz. Du bist der Mensch, der einfach da ist, ohne eine medizinische Aufgabe zu erfüllen.
Welche Aufgaben erwarten mich konkret?
Viele befürchten, sie müssten ständig Trost spenden oder mit Tod konfrontiert werden. Das stimmt so nicht immer. Die Tätigkeiten sind sehr vielfältig und hängen stark vom Bedarf des jeweiligen Zentrums in deinem Bundesland ab. Es geht darum, den Alltag für die Familie leichter und schöner zu gestalten. Denke an ganz normale Dinge, die im normalen Leben auch passieren.
Hier sind einige Beispiele für die praktische ehrenamtliche Mitarbeit:
- Zeit für Geschwisterkinder: Oftmals stehen die Eltern vollkommen hinter dem erkrankten Kind. Geschwister brauchen dringend Aufmerksamkeit. Du könntest mit ihnen spielen, ihnen vorlesen oder einfach nur ihre Schule anschaffen helfen. Das ist eine riesige Entlastung für die Eltern.
- Alltagshilfe für die Familie: Manchmal braucht es jemanden, der kurz in den Supermarkt geht, eine Wäsche aufhängt oder den Garten ein bisschen pflegt, damit die Eltern Zeit für ihr Kind haben. Das ist oft administrative oder praktische Unterstützung außerhalb der direkten Betreuung.
- Zeit mit dem Kind verbringen: Das kann bedeuten, einfach nur in Ruhe Musik hören, ein Puzzle machen, eine Runde im Garten schieben oder einfach nur auf der Wiese sitzen und die Sonne genießen. Es geht darum, eine normale, unbeschwerte Zeit zu schaffen.
- Unterstützung bei Festen oder Ausflügen: Viele Hospize organisieren kleine Feste oder Ausflüge. Hier hilfst du bei der Vorbereitung, dem Transport oder der Betreuung während der Aktivität.
Der Weg zum Ehrenamt: Was muss ich in Österreich beachten?
Wenn du jetzt denkst: „Das könnte ich mir vorstellen“, dann ist der nächste Schritt, dich zu informieren, wo es in deiner Nähe offene Stellen gibt. In Österreich gibt es verschiedene Träger, die Kinderhospize oder spezialisierte mobile Dienste anbieten. Die Prozesse sind meist sehr strukturiert, denn die Sicherheit und das Wohlbefinden der Kinder haben oberste Priorität. Um auf die Aufgaben vorbereitet zu sein, durchlaufen ehrenamtliche Mitarbeiter meist eine spezifische Schulung, beispielsweise bei einer Hospizakademie.
Die Ausbildung und Vorbereitung
Du kannst nicht einfach morgen anfangen. Die Organisationen nehmen diesen Dienst sehr ernst. Du brauchst keine medizinische Vorbildung, aber eine intensive Schulung ist Pflicht. Das ist keine Hürde, sondern eine wichtige Unterstützung für dich. Weitere Details zur Ausbildung findest du bei den Hospiz-Sterbebegleitern.
Diese Vorbereitung dient zwei Hauptzielen:
- Fachwissen: Du lernst die Grundlagen der Begleitung bei lebensverkürzenden Erkrankungen. Was sind die Bedürfnisse? Wie gehe ich mit Symptomen um, ohne selbst tätig zu werden?
- Selbsteinschätzung: Das Wichtigste: Du arbeitest deine eigenen Ängste und Grenzen auf. Du lernst, wie du mit Trauer und Abschied umgehen kannst, ohne selbst auszubrennen. Das ist der Kern der Vorbereitung.
In Österreich gibt es oft spezifische Kurse, die von den jeweiligen Vereinen oder Einrichtungen angeboten werden. Recherchiere nach „Ausbildung ehrenamtliche Kinderhospizarbeit [dein Bundesland]“. Die Zeit, die du investierst, zahlt sich aus, denn sie gibt dir Sicherheit für deine Einsätze.
VIDEO: Die Zeitschenkerin: Ehrenamt mit 25 im Hospiz | SWR Doku
Das Gespräch mit der Familie und dem Team
Wenn du nach der Schulung bereit bist, beginnt die Einführung. Du wirst nie alleine gelassen. Zuerst lernst du das Kernteam kennen. Dann gibt es oft eine langsame Annäherung an die Familie. Manchmal beginnt dein Einsatz nur mit Gesprächen mit den Eltern oder dem Geschwisterkind, bevor du direkt mit dem betroffenen Kind Zeit verbringst.
Sei offen, aber sei auch ehrlich. Wenn du merkst, dass eine bestimmte Situation dich emotional überfordert, sprich das sofort an. Vertrauenswürdigkeit ist das höchste Gut in dieser Arbeit. Die Koordinatorinnen und Koordinatoren sind deine ersten Ansprechpartner, wenn es im Einsatz mal hakt.
Umgang mit eigenen Emotionen und Grenzen
Das ist wahrscheinlich der Punkt, der dir am meisten Sorgen bereitet. Wie gehe ich damit um, wenn ich das Leid sehe? Wie schaffe ich es, das alles nicht mit nach Hause zu nehmen, wenn ich abends wieder in meinem Zuhause in Vorarlberg oder Niederösterreich ankomme?
Grenzen setzen ist Selbstschutz und Respekt
Ehrenamtliche Mitarbeit ist keine Selbstaufgabe. Wenn du emotional leer bist, kannst du niemandem helfen. Du musst deine eigenen Grenzen kennen und sie auch kommunizieren. Das gilt auch für die zeitliche Gestaltung. Viele Dienste in Österreich verlangen eine gewisse Regelmäßigkeit, zum Beispiel zwei bis vier Stunden pro Woche oder alle zwei Wochen. Das gibt dir und der Familie Struktur.
Erlaube dir, traurig zu sein. Es ist menschlich, wenn dich die Situation berührt. Aber du musst lernen, diese Gefühle dort zu lassen, wo sie hingehören – im Rahmen der professionellen Begleitung. Dafür gibt es in der Hospizarbeit die sogenannte Supervision.
Nützliche Websites
Vertiefe dich weiter in Ehrenamtliche Mitarbeit im Kinderhospiz: Jetzt engagieren mit einigen sorgfältig ausgewählten Links.
Die Wichtigkeit der Supervision
Supervision ist ein wichtiger Bestandteil der Betreuung von Ehrenamtlichen. Das ist ein geschützter Raum, oft mit einer Fachperson, wo du über deine Einsätze sprechen kannst. Du schilderst, was dich beschäftigt hat, was gut lief und wo du an deine Grenzen gestoßen bist. Das ist keine Beschwerdestunde, sondern ein professioneller Reflexionsprozess. Viele Organisationen bieten diese Supervision kostenlos an. Nimm dieses Angebot unbedingt an. Es ist dein Werkzeug, um langfristig helfen zu können und gesund zu bleiben.
Worauf du achten solltest, bevor du dich bewirbst
Bevor du den ersten Schritt machst und Kontakt aufnimmst, frage dich ehrlich, was du aus dieser Tätigkeit mitnehmen möchtest und was du geben kannst. Es geht nicht darum, „gerettet“ zu werden oder ein schlechtes Gewissen zu beruhigen.
Überlege dir folgende Punkte:
- Wie viel Zeit kann ich realistisch entbehren? Ist es ein fester Nachmittag in der Woche oder eher einmal im Monat? Sei ehrlich zu dir selbst und der Organisation.
- Bin ich bereit für regelmäßige Begleitung? Konstanz ist oft wichtiger als viele sporadische Besuche.
- Wie reagiere ich auf intensive Gefühle? Bin ich bereit, mich mit Trauer, Krankheit und Abschied auseinanderzusetzen?
- Wie sieht meine persönliche Unterstützung aus? Habe ich Freunde oder Familie, mit denen ich auch mal über das „normale“ Leben sprechen kann, um nicht nur über die Krankheit zu reden?
Wenn du merkst, dass der direkte Kontakt mit lebensverkürzend erkrankten Kindern gerade zu viel für dich ist, aber du trotzdem helfen möchtest: Frage gezielt nach Möglichkeiten der indirekten Unterstützung. Viele Hospize benötigen Hilfe in der Verwaltung, bei der Organisation von Spendenevents oder der Pflege der Gartenanlage. Auch diese Aufgaben sind essenziell und entlasten das Personal enorm, ohne dich direkt emotional zu überfordern.
Der Gedanke, ehrenamtliche Mitarbeit in einem Kinderhospiz in Angriff zu nehmen, ist ein Zeichen von großer Herzenswärme. Es ist ein Weg, der fordert, aber unendlich viel zurückgibt. Mit der richtigen Vorbereitung und einem klaren Blick auf deine eigenen Kapazitäten kannst du eine wunderbare Bereicherung für diese wichtigen Einrichtungen in Österreich sein.
häufig gestellte fragen
muss ich psychologie studiert haben für so eine arbeit?
Nein, das ist keine Voraussetzung. Die Organisationen legen Wert auf deine Lebenserfahrung, deine Empathie und deine psychische Stabilität. Die notwendigen Fachkenntnisse für die Begleitung werden dir in der verpflichtenden Grundausbildung vermittelt. Es geht um menschliche Nähe, nicht um medizinische Expertise.
wie lange dauert die einarbeitung ungefähr?
Das variiert je nach Träger und deinem Engagement. Rechne mit mehreren Wochen intensiver theoretischer Schulung, gefolgt von einer Phase der Begleitung im Einsatz. Oft dauert es zwei bis drei Monate, bis du eigenständig tätig wirst. Die Organisation passt das Tempo immer an deine Bedürfnisse an.
bekomme ich als ehrenamtliche eine aufwandsentschädigung?
In Österreich erhalten freiwillig Tätige meist keine Lohnzahlung, da es sich um unentgeltliche Arbeit handelt. Oftmals übernehmen die Träger jedoch Kosten, die dir durch den Einsatz entstehen, beispielsweise Fahrtkosten oder Verpflegung während des Einsatzes. Erkundige dich gezielt nach den Regelungen zur sogenannten Kostenerstattung bei deinem Wunschhospiz.











